Booklink: Die Gesellschaft im digitalen Wandel

_ Ein kostenloses Handbuch der Friedrich-Ebert-Stiftung

Yannick Haan und Jonas Westphal haben im Rahmen der Friedrich-Ebert-Stiftung ein Handbuch unter dem Titel “Die Gesellschaft im digitalen Wandel” herausgegeben, in dem sie die Implikationen der Digitalisierung für die verschiedensten Politikbereiche allgemein verständlich andiskutieren. Jonas Westphal schreibt dazu auf seinem Blog:

Im Buch orientieren wir uns anhand von ganz klassischen Politikfeldern: Angefangen bei klassischer Sozial- und Bildungspolitik, über Wirtschaftspolitik und enden bei (post-) moderner Stadtpolitik. Insgesamt acht Politikfelder beleuchten wir in Hinblick darauf, wie sich diese durch die Digitalisierung wandeln. Wir orientieren uns dabei anhand von bekannten Werten und Ordnungen — und zeigen wie diese sich gesellschaftlich verändern.

Freiheit vor Ort“-Mitherausgeber Leonhard Dobusch durfte bei der offiziellen Buchvorstellung Ende April einen Vortrag zum Thema “Vision und Realität der digitalen Stadt” halten. Ein Video von der Veranstaltung findet sich ebenfalls online.

Das Buch kann am Blog von Jonas Westphal kostenlos bestellt werden, eine Creative-Commons-lizenzierte Download-Version soll bald folgen.

 

Crosspost: Wikisym Side Conference 2012

_ Crosspost vom Blog der Open Commons Region Linz, dessen Inhalte unter CC-Lizenz stehen

Das internationale Symposium zu Wikis und offener Zusammenarbeit – kurz: WikiSym findet dieses Jahr von 27-29. August in Linz statt. Im Sinne dieser Zusammenarbeit hat die Open Commons Region Linz in Kooperation mit der Johannes Kepler Universität Linz eine Subkonferenz im Rahmen der WikiSym organisiert.

Am 28.8. 2012 von 9:00 − 19:30 werden in den Räumen des Neuen Rathauses ExpertInnen, PolitikerInnen und KünstlerInnen zum Thema “Open Commons Initiative Linz: Leben und Zusammenarbeiten mit digitalen Gemeingütern” arbeiten und diskutieren. Nach einer einleitenden Keynote sind drei Tracks zu den Themenkreisen Bildung & Wissenschaft, Wirtschaft & Verwaltung und Kunst & Kultur mit jeweils vier Vorträgen vorgesehen.

Die Vorträge der Subkonferenz werden auf Deutsch abgehalten, die Teilnahme ist kostenlos. Die OrganisatorInnen ersuchen um eine unverbindliche Voranmeldung unter open.commons@linz.at.

Broschüre: Freies Wissen Dank Creative-Commons-Lizenzen

_ Schwerpunkt: Aufklärung über Folgen, Risiken und Nebenwirkungen des NonCommercial-Lizenzmoduls

Paul Klimpel, Rechtsanwalt und vormals Verwaltungsdirektor der deutschen Kinemathek, hat im Auftrag von Wikimedia und Creative Commons (CC) Deutschland sowie dem Urheberrechtsportal irights.info eine feine Broschüre zum Thema Creative-Commons-Lizenzierung vorgelegt (PDF). Für Laien gut verständlich werden dort die Vor- und Nachteile der verschiedenen CC-Lizenzierungsvarianten erläutert. Gleich zu Beginn aber wird sehr schön herausgearbeitet, warum CC-Lizenzen überhaupt so wichtig sind:

Die größte aller rechtlichen Einschränkungen besteht darin, nichts zu tun. Das klingt paradox, entspricht aber dem genannten gesetzlichen Normalfall: »Alle Rechte vorbehalten«. Wer kreativ und schöpferisch etwas Neues schafft, dann aber nichts weiter dazu sagt, ob und wie seine Inhalte genutzt werden dürfen, sagt zwangsläufig: »Niemand darf meine Inhalte nutzen«.

Mit der Verwendung von CC-Lizenzen können UrheberInnen Dritten in standardisierter Art und Weise Rechte einräumen und so Weitergabe (“Sharing”) und Weiterverwendung (“Remix”) von Werken erleichtern. CC-Lizenzen setzen sich dabei aus verschiedenen Modulen zusammen und erlauben so verschiedene Rechte vorzubehalten. Besonders beliebt ist das Modul “NonCommercial” (NC), bei dem profitorientierte Verwertung vorbehalten bleibt, nicht-kommerzielle Nutzungsweisen (z.B. Filesharing, Einbinden in Weblogs etc.) aber erlaubt werden. Auf diese Weise ermöglicht das Modul neue Geschäftsmodelle, wie zum Beispiel den Musikservice Jamendo.

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Open Week Linz 2012

_ Veranstaltungen zu digitaler Offenheit von 22. bis 26. Mai 2012

Ende Mai finden in der ersten Linzer “Open Week” eine Reihe von Veranstaltungen statt, die auch regelmäßig im Rahmen dieses Blogs adressiert werden:

22. Mai: Vortrag “Open Source und Recht“, gefolgt von der Apps4Linz-Preisverleihung, veranstaltet von Open Commons Region Linz.

23. Mai: Open Design Symposium, veranstaltet von Kunstuniversität Linz, Creative Region Linz und Oberösterreich GmbH

24.-26. Mai:Art meets Radical Openness“, Linux Wochen Linz, veranstaltet von servus.at, Kunstuniversität Linz u.a.

Booklink: Vergessene Zukunft – Radikale Netzkulturen in Europa

_ Eine Geschichte alternativer Netzkultur mit starken Verbindungen nach Linz

Freiheit vor Ort“-Mitherausgeber Leonhard Dobusch hat auf netzpolitik.org das von Clemens Apprich und Felix Stalder mitherausgegebene Buch “Vergessene Zukunft” (2012, transcript) besprochen:

Clemens Apprich, Felix Stalder (Hg.), Vergessene Zukunft: Radikale Netzkulturen in Europa, transcript

Aufgearbeitet wird nicht der Mainstream, sondern die künstlerische Avantgarde von Netz und Netznutzung. Dabei ist „Vergessene Zukunft“ ein Mashup. Der Band versammelt kurze Essays einer Vielzahl von Autorinnen und Autoren, die größtenteils selbst in den beschriebenen Initiativen und Projekten aktiv waren, lässt eine Reihe weiterer Akteure in Interviews zu Wort kommen und reichert diese größtenteils retrospektiven Texte mit historischen Originaldokumenten an.

Im Buch finden sich auch zahlreiche Verweise auf die frühe Netzkulturszene in Linz, servus.at ist mit einem eigenen Essay vertreten. Klarerweise ist auch die Ars Electronica (vgl. auch Kapitel 6 in “Freie Netze. Freies Wissen.”, PDF) an mehreren Stellen Thema – häufig aber auch durchaus kritisch, vor allem wenn es um die Rolle des Ars Electronica Centers geht. Eine lesenswerte Mischung insbesondere für jene, die an einem kritischen Blick auf das Netz und Netzkultur interessiert sind.

 

Linzer Gemeinderat beschließt Resolution gegen ACTA

_ Einstimmiger Beschluss zur Weiterleitung an EU-Parlament und Regierung

“Freiheit vor Ort”-Mitherausgeber Christian Forsterleitner hat vergangene Woche eine Resolution im Linzer Gemeinderat eingebracht, die österreichische EU-Abgeordnete auffordert, dem Anti-Piraterie-Abkommen nicht zuzustimmen. Auf seinem Blog veröffentlichte Forsterleitner die ausführliche Antragsbegründung, in der es unter anderem wie folgt heißt:

ACTA ist aus vielen Gründen problematisch:

  • ACTA wurde „im stillen Kämmerlein“ ausgehandelt, ohne etablierte multinationale Foren wie WIPO und WTO zu konsultieren. Es hat sich damit seiner demokratischen Glaubwürdigkeit und Rechtsklarheit beraubt.
  • Eine Ratifizierung würde außer der Schädigung des internationalen Handels [auch] Erstickung von Innovationen verursachen und damit neue digitale und andere industrielle Neuerungen hemmen.
  • Auch erhebliche Auswirkungen auf Meinungsfreiheit, den Zugang zu Kultur und Datenschutz sind zu befürchten. ACTA legt die Regulierung der Meinungsfreiheit in die Hände privater Unternehmen. ACTA drängt Internet-Provider zur Überwachung ihrer Netzwerke und der Offenlegung der angeblichen Rechteverletzer.

Außerdem verweist Forsterleitner in seiner Begründung auf einen kurzen Aufsatz seines “Freiheit vor Ort”-Co-Herausgebers Leonhard Dobusch, der sich unter dem Titel “ACTA: Vom Symptom zum Wendepunkt?” ebenfalls kritisch mit dem Abkommen auseinandersetzt.

B5-Podcast: Was will die Generation Internet?

_ Remix einer Podiumsdiskussion zum Thema Urheberrecht

Im aktuellen B5-Podcast des Bayrischen Rundfunks zum Thema “Was will die Generation Internet? Wenig TV, keine Stadtmagazine, freies Internet” geht es unter anderem (ab Minute 15:35) um das Thema Urheberrecht. Den Podcast gibt es auch als MP3-Download.

Zu Wort kommt dabei Freiheit-Vor-Ort-Mitherausgeber Leonhard Dobusch mit Auszügen von einer Podiumsdiskussion der Friedrich-Naumann-Stiftung von November letzten Jahres in Berlin. Ein Video dieser Veranstaltung findet sich auf YouTube:

Lokales Crowdfunding als Chance für Freies Wissen und Freie Kultur? [Update]

Crowdfunding über Plattformen wie Kickstarter gewinnt mehr und mehr an Bedeutung (“Kickstarter erwartet für 2012 mehr Geld als US-Kulturförderstiftung“) - und zwar gerade für Projekte im Bereich Freies Wissen und Freie Kultur. Weil die Finanzierung vorab erfolgt, ist diese Finanzierungsweise mit der Verwendung freier Lizenzen besser kompatibel als klassische Verwertungsmodelle. So finanziert beispielsweise Kirby Ferguson sein nächstes Projekt nach “Everything is a Remix” via Kickstarter.

Open-Source-Vordenker Tim O’Reilly bezeichnete Kickstarter in einem Tweet als die vielleicht wichtigste Technologie-Firma seit Facebook, längerfristig vielleicht sogar noch wichtiger:

Klar ist aber, dass es insbesondere kleinere und lokalere Projekte auf großen Plattformen wie Kickstarter schwer haben, genug Aufmerksamkeit zu bekommen. Umso interessanter ist, dass sich offenbar neben den großen überregionalen mittlerweile lokale Crowdfunding-Plattformen herauszubilden scheinen.

In Hamburg ist mit der Plattform “nordstarter” nun auch im deutschen Sprachraum eine derartige lokale Plattform im wahrsten Sinne des Wortes am Start. Wie beim Vorbild Kickstarter gilt auch hier: das Geld fließt nur, wenn die gesamte erforderliche Mindestsumme zusammenkommt. Und es geht auch nicht um Spenden: für das Geld müssen von den Projektinitiatoren auch in irgendeiner Form Gegenleistungen angeboten werden – in der Regel nach Höhe der Finanzierung gestaffelt. Fünf Projekte wurden auf diese Weise von Nordstarter bereits erfolgreich finanziert – mit Beträgen zwischen 2.000 und knapp über 23.000 Euro.

Bleibt die Frage, ob so etwas nicht eine Möglichkeit für Linz und Oberösterreich wäre? Diese Art der Kulturfinanzierung jenseits öffentlicher Förderungen und klassisch-marktlicher Verwertungswege hat jedenfalls Potential – global wie lokal.

[Update]

Einen informativen Artikel zu Chancen aber auch Tücken von Crowdfunding, gerade auch im Kulturbereich haben Elisabeth Mayrhofer und Monika Mokre vom Wiener Forschungsinstitut FOKUS geschrieben “Über das schwierige Verhältnis zwischen Kunst und Demokratie“.

4-teilige Serie “Everything is a Remix”

Der New Yorker Künstler Kirby Ferguson hat in einer aufwändig gestalteten, vierteiligen Serie versucht, seine zentrale These zu untermauern: Everything is a Remix. Die Videos sind dabei selbst ein äußerst kreativer Remix bestehender Werke – und wären in dieser Form in Europa nicht so ohne weiteres möglich. Denn im Unterschied zu den USA, wo das flexible “Fair-Use”-Prinzip die Rekombination bestehender Werke erlaubt, gibt es eine derartig allgemeine Ausnahmeklausel im deutschen bzw. österreichischen Urheberrecht nicht.

Die Videos sind aber vor allem unterhaltsam – seht selbst:

Everything is a Remix Part 1 from Kirby Ferguson on Vimeo. Continue reading →

Debatten um Urheberrecht, Kunst und Kultur

Nicht nur im Zuge der Proteste gegen das Anti-Piraterie-Abkommen ACTA (vgl. z.B. “Acta, das Netz und die Urheber“), sondern auch rund um eine von mehreren Verwertungsgesellschaften getragene Kampagne mit dem Titel “Kunst hat Recht” tobt derzeit in Österreich eine heftige Debatte um den Schutz sogenannter “geistiger Eigentumsrechte” (vgl. “Urheberrecht, Kunst und Kultur” bzw. “‘Kunst gegen Überwachung’ gegen ‘Kunst hat Recht’“).

Gerade im Kontext der zweiten Debatte ist interessant, dass die Konfliktlinien quer durch die Community der Künstlerinnen und Künstler verläuft. Dies wird auch angesichts der Stellungnahme des Kulturrats Österreich deutlich, der sich damit von der Kampagne “Kunst hat Recht” distanziert und die Frage aufwirft, warum das Urhebervertragsrecht kein Thema ist. Den Grund dafür sieht der Kulturrat darin, dass in den Verwertungsgesellschaften keineswegs nur Urheberinnen und Urheber, sondern auch Verwerter mibestimmen:

“In den Verwertungsgesellschaften sitzen mit einer Ausnahme UrheberInnen und VerwerterInnen – die Ausnahme, die Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden (VDFS), hat die Unterstützung der Kampagne noch vor Beginn eingestellt.”

Zumindest kommt so aber etwas Bewegung in die Debatte rund um das Urheberrecht, dem Kapitel 2 in “Freiheit vor Ort” sowie Kapitel 7 in “Freie Netze. Freies Wissen.” gewidmet sind. In letzterem ist das Interview mit Johannes Grenzfurthner vom Wiener KünstlerInnenkollektiv monochrom ganz besonders empfehlenswert. Sein heute noch gültiges Fazit zum Thema Kunst und Urheberrecht:

“Das ist wie beim Hamburger: am wenigsten hat davon die Kuh.”